Informationsüberblick: Dresden!

Jedes Jahr auf’s Neue ziehen Neonazis aus ganz Europa anlässlich des Jahrestags der Bombardierung Dresdens durch die Alliierten im 2. Weltkrieg durch die Elbstadt und bekunden offensiv ihre Sympathie mit dem NS-Regime. Unterstützt von Faschist_innen aus dem europäischen Ausland, handelt es sich um den mit Abstand größten und bedeutsamsten Aufmarsch der extremen Rechten in Europa. Im letzten Jahr kamen 7000 Nazis, die ihren Geschichtsrevisionismus und ihre Verherrlichung des Nationalsozialismus auf die Straße trugen. Für dieses Jahr ist mit einer erneuten Steigerung der Teilnehmer_innenzahlen zu rechnen, da der 65. Jahrestag der Bombardierung auf ein Wochenende fällt.

Auch in diesem Jahr wird es wieder eine große antifaschistische Mobilisierung geben, um dem Aufmarsch etwas entgegen zu setzen, u.a. sind Massenblockaden geplant. Auch aus NRW mobilisieren linke Gruppen nach Dresden.

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Linke Freiräume erkämpfen!

Aufruf zur antifaschistischen Demonstration in Gedenken an Thomas “Schmuddel” Schulz am 03.04.2010 in Dortmund!

what’s wrong?
Vor nunmehr fünf Jahren wurde der Punk Thomas „Schmuddel“ Schulz mitten in der belebten Dortmunder Innenstadt von einem jugendlichen Neonazi brutal niedergestochen. Thomas erlag wenig später seinen Verletzungen. Auch in diesem Jahr werden wir wieder lautstark und eindringlich darauf hinweisen, dass es in Dortmund ein massives Problem mit Neonazis gibt und abermals werden wir die gesellschaftlichen Verhältnisse fokussieren, die Antisemitismus, Rassismus, Sexismus, Homophobie und andere Scheußlichkeiten täglich aufs Neue reproduzieren. Wir wollen Thomas und allen anderen Opfern extrem rechter Gewalt gedenken und unseren Protest gegen kapitalistische Verwertungslogik, nationales Zwangskollektiv und gesellschaftliche Gewaltverhältnisse auf die Straße tragen.

Wie jedes Jahr rufen wir deshalb zur antifaschistischen Thomas-Schulz-Gedenkdemonstration in Dortmund auf!

we can’t relax!
Nicht nur rückblickend auf die vergangenen Jahre lässt sich sagen, dass Neonazis auch weiterhin eine akute Bedrohung für Linke, MigrantInnen, Obdachlose und andere gesellschaftlich marginalisierte Gruppen sind. Angefangen von kleineren Pöbeleien, über handfeste Übergriffe und Hetzjagden durch die Straßen, bis hin zu Mord. So wurden seit der „Wiedervereinigung“ rund 140 Menschen von Neonazis allein in Deutschland ermordet und eine weitaus größere Zahl von ihnen verletzt. Aber auch in Tschechien und Russland hat die Zahl der Morde mit rassistischem und neonazistischem Hintergrund erheblich zugenommen. Offizielle Statistiken darüber werden dort erst gar nicht geführt.

Jüngstes Beispiel für den Nazi-Terror in Dortmund ist eine antifaschistisch engagierte Familie, die sich nach unzähligen Drohungen und Angriffen zum Wegzug aus Dortmund genötigt sah. Zudem stach der Überfall von rund 400 Neonazis auf die Demonstration des Deutschen Gewerkschaftsbundes am 1. Mai letzten Jahres besonders hervor. Dabei warfen die Neonazis Steine, Flaschen und Feuerwerkskörper auf die TeilnehmerInnen der DGB-Demo und schlugen mit Holzlatten auf sie ein. Die GewerkschafterInnen fingen indes an sich zu bewaffnen und versuchten die gewalttätigen Neonazis zurückzudrängen. Danach zogen diese randalierend durch die Innenstadt bis sie von der Polizei festgesetzt werden konnten. Es ist ferner ein handfester Skandal, dass es Neonazis in Dorstfeld schafften, eine Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht, an der sich auch Mitglieder der jüdischen Gemeinde beteiligten, zu stören und die anwesende Polizei sich nicht in der Lage sah, das Treiben der Rechten bereits im Vorfeld zu unterbinden.

Die immer häufigeren Flugblattaktionen, Kundgebungen und Aufmärsche der Dortmunder Neonazis, die dabei tatkräftig von auswärtigen NeofaschistInnen unterstützt werden, zeugen von ihrem beständigen Versuch, öffentlich Raum für sich zu beanspruchen, um Teil der gesellschaftlichen Normalität zu werden. Doch in der Regel sind ihre peinlichen Versuche um die Sympathie des Volkes zu buhlen, weniger das Problem, als die Aktionen, bei denen sich ihre Ideologie in Form direkter Gewalt Bahn bricht und sie auf AntifaschistInnen, GewerkschafterInnen und andere Engagierte einschlagen und unsere Hausprojekte, Buchläden und Cafés angreifen.

about german identity
Von städtischer und zivilgesellschaftlicher Seite passiert wenig Effektives, um den Nazi-Terror einzuschränken. Meist sind es kurze öffentlichkeitswirksame „Runde Tische“, bei denen die Stadtoberen sich medial gut in Szene setzen lassen und beteuern, alles nur Erdenkliche gegen Rechts zu tun. Deren sonstiger Umgang mit der Thematik artikuliert sich entweder in Leugnung: „Dortmund hat kein Problem mit Nazis.“ (Polizeipräsident) oder Relativierung: „Dortmund ist eher eine Hochburg des Widerstands gegen Rechts.“ (Sonderbeauftragter der Stadt für „Vielfalt, Toleranz und Demokratie“). Aber in einem Punkt sind sich – nicht zuletzt zwecks Selbstvergewisserung – alle einig: Dortmund ist bunt statt braun. Bei einem derart wässrigen und oberflächlichen Anspruch und Verständnis von Antifaschismus verwundert es nicht, dass man den Neonazis erstens nichts Inhaltliches entgegenzusetzen hat und zweitens, städtische Gelder, die für Anti-Nazi-Arbeit vorgesehen waren, in musikalische Friedensfeste mit Sir Bob Geldof unter dem Motto „Schluss mit lustich – Es reicht“ (sic!) investiert.

Dabei ist diese spezielle Mobilmachung gegen Rechts, im größeren Zusammenhang gedacht, als Teil eines neuen Staats- und Vergemeinschaftungsprozesses zu verstehen, an deren Ziel die Selbstdarstellung des „geläuterten“ Deutschlands steht. Man habe „aus der Geschichte gelernt“ und hat sich im Sommer 2000 dem von Gerhard Schröder ausgerufenen „Aufstand der Anständigen“ angeschlossen. Da stört das Treiben der Neonazis neben dem guten Image der „Standortgemeinschaft“ vor allem den eigenen Selbstfindungsprozess, der sich in dem Wunsch nach Normalität und internationaler Handlungsfähigkeit artikuliert, nicht trotz der einzigartigen Verbrechen der deutschen Geschichte, sondern gerade deswegen.

more than just dagegen!
Aber trotz Antisemitismus, Rassismus, Nationalismus und xenophober Bekenntnisse, die nicht nur bei marodierenden Neonazis anzutreffen sind, das Vierte Reich und die Machtübernahme traditioneller und neuer NationalsozialistInnen stehen jedenfalls nicht vor der Tür. Doch auch ohne Faschismus und Nationalsozialismus liefert der Kapitalismus im nationalstaatlichen Gefüge unter demokratischer Verwaltung genügend Gründe für seine Abschaffung: Krieg, Hunger und Lohnarbeit um nur einige zu nennen. Die einzige Alternative ist die Einrichtung einer nach der Vernunft organisierten Gesellschaft, jenseits von Staat, Nation und Kapitalismus.

Und genau dieses Ziel unterscheidet uns von bürgerlichen AntifaschistInnen, die nur die Demokratie vor ihren Feinden schützen wollen, nicht aber das ökonomische Prinzip dieser Gesellschaft als solches kritisieren, ja dieses im Zweifel sogar auch gegen uns verteidigen würden. Die dazu dringend notwendige Antifa-Debatte wird indes schon hinreichend an anderer Stelle diskutiert. Es bleibt festzuhalten, dass wir als AntifaschistInnen nicht nur gegen reaktionäre Ideologien, Nazis und andere Bösewichte kämpfen – quasi als bewaffneter Arm der Zivilgesellschaft –, sondern die radikale Umwälzung des Bestehenden zumindest mitdenken. Dass das Nazis-Boxen und -Fotografieren dabei keine revolutionäre Praxis an sich, aber in Dortmund und einigen anderen Städten dringende Notwendigkeit ist, muss an dieser Stelle dann auch nicht weiter ausgeführt werden. Es muss gemacht werden, weil es gemacht werden muss. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

fight for antifascists areas!
Nazis in diesem Zusammenhang zu bekämpfen bedarf neben dem konsequenten Entgegentreten einer Alternative, einer Gegenkultur die ihnen den Kampf ansagt und sie in keiner Location und auf keinem Platz akzeptiert, eine Gegenkultur, welche sich gegen Antisemitismus, Rassismus und Nationaltaumel ausspricht und antifaschistischen Lifestyle lebt. Eine Möglichkeit dazu ist die Thomas-Schulz-Demo mit der wir jedes Jahr nicht nur gegen Nazis demonstrieren, sondern gleichzeitig auch linke Strukturen in Dortmund unterstützen und stärken wollen. Wir unterstützen daher die Arbeit des AK Freiraum, der sich für die Schaffung eines Autonomen Zentrums in Dortmund einsetzt und damit dazu beiträgt, alternative und antifaschistische Kultur in Dortmund zu festigen. Aber auch allen anderen Zentren, Läden und Vereine in und um Dortmund, die politische Organisierung und unkommerzielle Parties ermöglichen, gebührt unser Dank. Denn die beste Waffe gegen Nazis ist immer noch eine starke, antifaschistische Linke. Erfreulicherweise haben sich zudem in und um Dortmund mehrere Jugendantifas gegründet. Wir begrüßen diesen Schritt und freuen uns auf die politische Zusammenarbeit.

still lovin‘ antifa!
Denn Antifaschismus bedeutet nämlich mehr, als nur regelmäßig Indymedia zu lesen und auf Antifademos gegen Naziaufmärsche zu gehen. Recherche- und Öffentlichkeitsarbeit, die Organisierung von Veranstaltungen, Flugblattverteilungen und Demonstrationen sowie die inhaltliche Auseinandersetzung mit faschistischer Ideologie und ihren gesellschaftlichen Ursachen sind wichtige Felder antifaschistischer Arbeit. Es liegt auf der Hand, dass viele dieser Aufgaben effektiv nur durch Leute bewältigt werden können, die sich verbindlich in Gruppen organisieren und kontinuierlich zusammen arbeiten. Wir wollen den Aufruf zur Organisierung und Vernetzung explizit im Kontext der diesjährigen Thomas-Schulz-Demo verstanden wissen. Wir wollen Jugendlichen den Einstieg in aktive Antifa-Arbeit erleichtern und ihnen mit dieser Demonstration und vor allem mit der Vorbereitung dazu, einen ersten Anknüpfungspunkt an linke Politik geben. Wenn ihr also ein paar FreundInnen oder GennossInnen habt, die Interesse an einer entsprechenden Organisierung haben, gründet eure eigene Gruppe. Tretet mit bereits bestehenden Gruppen in Kontakt und vernetzt euch. Werdet zusammen mit anderen AntifaschistInnen aus NRW aktiv gegen Neonazis und deutsche Verhältnisse, ob auf der Kirmes, im Stadion oder abends beim Feiern in der Innenstadt.

Kommt zur antifaschistischen Demonstration:
03.04.2010 | 16:00 h | Dortmund | Hauptbahnhof (Vorplatz)

No-go-areas für Nazis erkämpfen!
Deutschland in den Rücken fallen!
Für eine starke antifaschistische Jugendkultur!

Termine

In den nächsten Wochen finden einige Veranstaltungen statt, auf die wir euch hinweisen wollen.

9. Oktober, Haltern am See:
Demo gegen „Großen Zapfenstreich“

Schon am Freitag will die Bundeswehr in Haltern am See ihr ganz eigenes Konzept von Freiräumen austesten. Für einen „Großen Zapfenstreich“ wird der Halterner Marktplatz an die Militärs übergeben.
Gegen dieses gesellschaftliche Großereignis mobilisiert das Bündnis 9. Oktober

17. Oktober, Köln:
Her mit dem Autonomen Zentrum!

Pyranha, die Kampagne für ein Autonomes Zentrum mit Tanzfläche in Köln, geht auf die Strasse um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen.
Die Demo geht vom Rathausplatz über die Deutzer Brücke nach Kalk. Im Anschluss findet in Kalk ein Autonomes Veedelfest mit Politik, Kunst und Kultur in mehreren Locations statt.


23./24. Oktober, AZ Mülheim:
Land for Free. Land for What?

Im AZ Mülheim findet im Rahmen der Buko-Veranstaltungsreihe „Unternehmen Stadt Übernehmen“ eine zweitägige Veranstaltung statt, die sich im Vorfeld der Kulturhauptstadt 2010 mit der Frage auseinandersetzten will, was Leerstand und Brachflächen eigentlich damit zu tun haben und welchen Nutzen die Idee Freiraum daraus ziehen kann.

Zum September-Café…

Eigentlicher Termin unseres September-Cafés wäre Montag, der 7.9. Aus auf der Hand liegenden Gründen fällt das Café allerdings diesmal aus. Neues von uns gibt es, wenn sich die Wogen um den 5. September wieder etwas geglättet haben. Bis dahin gilt :

Antifaschistische Vorabend-Demo
Datum: 04. September 2009 || 18 Uhr
Ort: Hauptbahnhof (Vorplatz)
Infos: http://www.nationalismus-überwinden.de

Bundesweite Antifa-Demo gegen den Naziaufmarsch!
Datum: 05. September 2009 || 11 Uhr
Ort: Hauptbahnhof (Vorplatz)
+++ ab 11 Uhr auf unserem LKW: Deichkind goes Antifa! +++
immer aktuelle Infos: http://www.s5.noblogs.org

the harder they come, the harder they fall !

Café Move Ya! im August

Besser spät als nie : Unser August-Café am Montag, dem 10.08., beschäftigt sich, in Anlehnung an das Motto der Vorabenddemo gegen den sog. „nationalen Antikriegstag“, „Nationalismus überwinden – Grenzen einreißen !“ mit den sozialen, kulturellen, ökonomischen und politischen Dimensionen, die das Leben im Grenzgebiet zwischen den USA und Mexiko prägen. Input-Beginn ist auf 19 Uhr angesetzt, vorher gibt es wie immer die kulinarischen Spezialitäten unserer AK Freiraum-Küche zu genießen.
Flyer
Hier der Ankündigungstext :

Die Grenze zwischen den USA und Mexiko ist eine der bedeutendsten Grenzen der Welt. Jährlich sterben viele MexikanerInnen, ZentralamerikanerInnen und SüdamerikanerInnen bei dem Versuch, die Grenze in die USA auf illegale Weise zu übertreten. Sie verdursten in der Wüste, ertrinken im Rio Grande und im Meer, oder werden auf ihrer Reise erschossen. Obwohl der illegale Grenzübertritt immer gefährlicher wird, gelangen Tausende ungeachtet der Gefahr jedes Jahr in die USA, um dort einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Sie hoffen auf eine besser bezahlte Arbeit, die es ihnen ermöglicht, ihre Familien zu ernähren. Viele von ihnen beginnen fern von ihren Familien ein Leben als SaisonarbeiterInnen auf Obstplantagen oder als unterbezahlte Hausangestellte. Arbeitskräfte, mit denen die US-amerikanische Wirtschaft und Politik ungeachtet der migrationsfeindlichen Rhetorik rechnet. Andere bleiben auf der mexikanischen Seite der Grenze, finden Beschäftigung in Billiglohnfabriken oder im Sexgewerbe. Wieder andere bestreiten ihren Lebensunterhalt, indem sie Menschen oder auch Drogen in die USA schmuggeln. Grenzstädte wie Tijuana oder Ciudad Juarez erlebten in den vergangenen Jahren ein rasantes Bevölkerungswachstum. Die Grenze ist in diesen Städten allgegenwärtig.

Die Grenze zwischen Mexiko und den USA trennt nicht nur den „reichen Norden“ vom „armen Süden“, sondern auch ganze Familien. Sie zerschneidet den Strand und das Meer in Las Playas de Tijuana, die Wüste bei Ciudad Juarez und den Rio Grande. Sie zerschneidet Kulturen, Lebensgeschichten, Sprachen und Körper: Die politische Grenze verwandelt nicht nur den geographischen Raum in einen Grenzraum. Das Grenzgebiet zwischen Mexiko und den USA ist ein brutaler Raum, ein Ort, an dem die Schmerzhaftigkeit sozialer Unterschiede in vielerlei Hinsicht sichtbar wird. Der Grenzraum ist aber auch ein Ort der Bewegung und des Widerstandes. Ein Raum, in dem nationale, kulturelle und politische Identitäten immer wieder neu ausgehandelt werden. Ein Ort der Konfrontation, aber auch der Verbindung.

Der Vortrag “Becoming Crossroads: Die Grenze als (Über-)Lebensraum” bietet einen Überblick über die historischen, geographischen und politischen Hintergründe der Grenze zwischen Mexiko und den USA. Im Anschluss zeigen wir den Film “De Nadie”, einen spanischen Film mit englischen Untertiteln.